„Games“ – zwischen aufregendem Hobby und Flucht in eine eigene Welt

Bei einer wachsenden Zahl Heranwachsender lautet die Diagnose „Computerspielsucht“. Zu den noch harmloseren Symptomen gehören die Vernachlässigung anderer Hobbys und Freizeitaktivitäten oder die Abnahme sozialer Kontakte. Schon bedenklicher sind eine zunehmende Nervosität oder Gereiztheit, wenn nicht gespielt werden kann oder darf. Als Anzeichen einer massiven Abhängigkeit müssen dagegen stark nachlassende Schulleistungen oder eine zunehmende körperliche Verwahrlosung erkannt werden, die sich z.B. in mangelnder Hygiene und Körperpflege äußert.

Was als aufregender Freizeitspaß beginnt, entwickelt sich immer häufiger zu einer ungesunden Obsession – mit den skizzierten Folgen. In besonders schwerwiegenden Fällen hilft nur noch professionelle Suchtberatung oder sogar eine individuelle Therapie. Kein übertriebenes Schreckens-Szenario, sondern in etlichen Familien Realität.

Nicht wenige Jugendliche – unter ihnen auffällig viele männliche Teenager – führt nach der Schule der erste Weg an den eigenen Rechner und in die grenzenlose Welt der Games. Besonders die im – mehr oder weniger – festen Team absolvierten Online-Rollen-Spiele üben da eine fast magische Anziehung aus und entwickeln dazu des Öfteren eine ganz eigene Dynamik. So entsteht u.a. mehr und mehr die gegenseitige Erwartung, die „Party“ (also das Spieler-Team) nicht im Stich zu lassen. Der Einzelne fühlt sich verpflichtet, immer häufiger ins Spiel einzusteigen. Zum einen um den Erfolg der Gruppe nicht zu gefährden. Zum anderen aber auch, um nicht Gefahr zu laufen, aus der „Community“ ausgeschlossen zu werden. Gruppenzwang wird so etwas landläufig genannt.

Natürlich sind die Grenzen zwischen intensiv gelebtem Hobby und zwanghaftem Verhalten fließend. Im Einzelfall muss daher stets genau geprüft werden, ob tatsächlich eine Sucht vorliegt.

Problematisch ist, dass diese Entwicklungen vielfach mit einer Ohnmacht der Erziehungsberechtigten einhergehen. Ihnen fehlt – oft auch wegen des fehlenden Wissens über die Spiele-Welt – schlicht der Zugang zu ihrem Nachwuchs. Dieser fühlt sich von Eltern eingeengt und unverstanden, die besorgt nachfragen oder hilflos Regeln und Verbote aufstellen. Die Konflikte sind vorprogrammiert.

Ein zentraler Punkt: Viele Eltern erkennen oder wissen einfach nicht, dass das übermäßige Spielen am Computer Ausdruck von etwas tiefer Liegendem ist. Denn die Gründe für die Abhängigkeit von Internet und Games sind meist in der wirklichen Lebenswelt der Heranwachsenden zu finden. Nicht wenige von ihnen erleben nur im Spiel Erfolg und Anerkennung. Und gerade Jugendliche, denen es „draußen“ schwer fällt, Kontakte zu knüpfen, finden hier leichter Freunde und Bestätigung.

Darum ist es wichtig, dass sich Eltern und Pädagogen intensiver mit dem Thema „Games“ beschäftigen und diese Zusammenhänge verstehen. Nur so können sie sich fit machen für den nicht selten anstrengenden, aber notwendigen Dialog mit ihren Zöglingen. Es gilt, die Auseinandersetzung nicht zu scheuen, aber Vorwürfe zu vermeiden. Vielmehr muss das offene Gespräch gesucht werden. Denn nur wenn Erziehende die Kinder und Jugendlichen besser verstehen wollen – und ihnen das auch zeigen ­­–, wird das ihre Bindungen und das gegenseitige Vertrauen stärken.

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Der Beitrag wurde am 23. Februar 2010 von shrcommunication geschrieben