Der verbrauchsabhänige Energieausweis oder Verbrauchsausweis.

Wer sich für einen Energieausweis entscheidet, egal ob er verpflichtet dazu ist oder es freiwillig macht, hat die Wahl zwischen zwei verschiedenen Formen des Energieausweises. Es gibt den Energie-Verbrauchsausweis und den Energie-Bedarfsausweis. Eine Ausnahme gilt für Gebäude, für die der Bauantrag vor dem 01.11.1977 gestellt wurde und die bis zu vier Wohneinheiten beinhalten. Für diese Gebäude (das sind ein großer Teil der Ein- und Zweifamilienhäuser) ist der bedarfsabhängige Energieausweis zwingend vorgeschrieben. Hiervon kann in diesen Fällen nur dann abgewichen werden wenn diese Gebäude bereits nachweislich die Normen der 1. Wärmeschutzverordnung 1977 erfüllen.

Eine weitere Ausnahme sind Neubauten. Für diese ist zwingend der Energieausweis nach Bedarf vorgeschrieben. Aber es ist dennoch eine große Anzahl von Gebäuden, die die Wahl zwischen den beiden Formen des Energieausweises zulassen. Der verbrauchsabhängige Energieausweis berechnet die Energiewerte eines Gebäudes nach dem Verbrauch der letzten drei Jahre, der für Heizung und Warmwasseraufbereitung aufgewendet worden ist. Das sind Werte, die beeinflussbar sind. Wer beispielsweise seine Heizung mit Heizöl betreibt und nicht in jedem dieser Jahre beispielsweise am 31.12. den Heizöltank voll aufgefüllt hatte, kann den Heizölverbrauch nicht genau ermitteln. Wenn nur im letzten Jahr dieser dreijährigen Periode die letzte Tankung nicht im Dezember durchgeführt wurde, sondern erst im Januar des Folgejahres, dann ist die Berechnungsgrundlage bereits falsch. Denn durch die Verschiebung der Tankung um einige Tage ins nächste Jahr wird der Verbrauch in den zugrunde liegenden drei Jahren derart vermindert, dass viel zu niedrige Verbrauchswerte entstehen.

Abgesehen von diesen Manipulationsmöglichkeiten ist der Verbrauch auch abhängig von den Bewohnern. Wer ständig seine Wohnung sehr warm heizt oder ein Fenster häufig angekippt hat, wird mehr verbrauchen, als jemand, der die Räume bei einer Temperatur zwischen 18°C und 20°C hält und regelmäßig stoßlüftet. Alleine in diesem individuellen Verhalten ist ein unterschiedlicher Verbrauch begründet, der bei der Erstellung des Energieausweises zu völlig falschen Werten, in der Regel zu niedrigen, führt. Da aber dieses Verhalten bei Menschen nun einmal nicht auszuschließen ist, der Eine hat es halt lieber warm, der Andere liebt es kühler, ist ein Energie-Bedarfsausweis, sicherlich die objektivere Alternative. Da aber bis zum 01.10.2008 die Wahl der Art des Energieausweises noch für die meisten freigestellt war, haben viele Besitzer älterer Häuser den verbrauchsabhängigen Energieausweis für ihre Gebäude erstellen lassen.

Auch wenn man niemandem eine Manipulation unterstellen soll, sind bei diesen Energieausweisen sicherlich einige dabei, die nicht mit dem tatsächlichen Verbrauch der Häuser übereinstimmen. Als Mieter oder Käufer sollte man diesen Energieausweis daher mit Skepsis betrachten und sich eventuell auch die Unterlagen zeigen lassen, die als Berechnungsgrundlage gedient haben.


Der Beitrag wurde am 8. Dezember 2009 von minJung geschrieben